Bekenntnisse

Die Anzahl der Götter (1)

Felix Bartels hat mir durch seinen Blog-Eintrag „Goethesdienst“ ein altes Vorhaben wieder ins Gedächtnis gerufen. Dieses, ein Piece darüber zu schreiben, wie sich die Anzahl der Götter im Laufe der Zeit beständig verringert hat. Zu dem Zweck hatte ich eigens den Tiele/Söderblom konspektiert; dann ist mir die Sache, wie das so manchmal geschieht, aus den Augen geraten.

Scharf im Auge jedoch, vom Parnassos hinübergleissend:

Wir sind naturforschend Pantheisten, dichtend Polytheisten, sittlich Monotheisten.  (J.W. v. Goethe)

Und Atheisten? Wann sind wir Atheisten?

Atheisten sind wir, wenn wir ehrlich sind.  (Calendula alias Ina Eff)

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Bekenntnisse

Freier Wille (2)

Er denkt also, wie er will? Zugestanden, aber haben Sie jemals einen getroffen, der gedacht hätte, wie er nicht wollte?

Peter Hacks

Das Zitat gibt Frank Schirrmacher in der FAZ zu Hacksens 80. Geburtstag als Beleg für dessen „hinreissende Intelligenz“. Hacks bildete sich auch wahrscheinlich ein, dass ihm mit diesem Bonmot etwas ausserordentlich Geistreiches gelungen sei. Wir wollen nicht ungerecht sein und geben ihm das gern zu, nur vermehrt um die Quelle, der dieser Gedanke entschöpft ist. Wieder einmal wurde der Original-Gedanke von dem grossen, leisen Alfred Polgar vorgedacht, und zwar in der anrührenden Skizze „Liebe und dennoch“. Darin es heisst:

Über Willensfreiheit läßt sich diskutieren, aber Willensfreiheit des Denkens gibt es ganz gewiß nicht. Da ist alles zwangsläufig, da fahren wir in Geleisen, und nur wo wir haltmachen und aussteigen wollen, nur das beschliessen wir frei. Scheinbar.

Alfred Polgar

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Gedichte

Giordano Bruno

 

Giordano Bruno

 

Auf seiner Kathedra Petri saß

Clemens und starrte verdrossen,

Zwei Stunden schon waren verflossen.

Zwei Stunden schon! Quälend, und ohne daß

Ihm beifiel, wie schwer er die Strafe bemaß.

– Es lies sich indes nicht vermeiden,

Er mußte die Sache entscheiden.

 

Der Fall, vom Grunde her beseh’n

War eigentlich leicht zu lösen:

Der Kerl mußte seinen Thesen

Pro Forma entsagen; – nur den Ideen,

Die Frevel waren. – Es wäre gescheh’n,

Wenn man ihm erklärte, wie ernst es stand

Dann, gewiss, widerriefe er kurzerhand.

 

Doch zornig steigt es in Clemens hoch

Wie oft hatte man schon probiert! 

Den Widerruf ihm souffliert,

Doch er zerriß ihn und lachte noch

„Glaubt ihr“ scholls aus dem Kerkerloch,

„Ihr könnt die Gedanken, die einmal gedacht,

Ungedacht machen durch Eure Macht?“

 

War Kühnheit das? Blödheit? Gottesgnad‘?

Die Stärke seiner Gedanken 

Spricht nicht für einen Kranken.

– Was ist’s mit seinem Postulat,

Die Sonne sollte an Erden statt

Der Welten Angel und Mitte sein?

Wo nimmt er das her? Wer gibt ihm das ein?

 

Wie kommt es, daß der sich so versteigt?

Und durch Gedankenmut

Den tiefsten Einblick tut,

Indes die heilige Schrift dazu schweigt.

– Wir wollen doch sehen, wem Gott sich neigt.

Und den Blick von der Erd hebt er auf in die Höh,

„Mit Gott, führt ihn morgen zum Autodafè!“

 

Giordano Bruno wurde am 17. Februar 1600 öffentlich verbrannt, weil er sich verschiedener Gotteslästerungen schuldig gemacht, und in keinen Widerruf eingewilligt hatte. Neben der Leugnung Jesu als Gottessohn vertrat er ein kopernikanisches Weltbild, die Unendlichkeit des Universums und ferner eine der ersten neuzeitlichen „viel-Welten-Theorien“.

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Bekenntnisse

Willkommen im „geheimen Sudelbuch“ der Ina Eff !

 

Sudelbücher: Zugegeben, Dialog und Widerrede entringen mir schärfere Gedanken, als Selbstrede und -billigung. Aber die Welt ist nicht so eingerichtet, dass sich ein  stets rufbarar Geist in ihr zur Verfügung hielte, der mir jedweden Gedanken so kritisierte und lobte, dass der sich bewegte und Klarheit gewönne.

Dem Mißstand abzuhelfen dieses Grummelbrett. Zweierlei Hoffnung hangen ihm an: Erstens, ichselbst könne mir durch den Prozeß des Niederschreibens heimleuchten. Das ist ein alter Hut. Zweitens, es mag wohl Jemand durch Zufall in diesen WWWinkel verschlagen werden, der durch einen Satz oder eine Formulierung angezeckt wird. Vielleicht, ich bin so närrisch, darauf zu hoffen, nimmt er dann sogar die Mühe eines Kommentars auf sich. – Ah, Internet is great!

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