Sinnsprüche und Splitter

Sinnsprüche und Splitter (2)

Phantasie: Ehrlichkeit ist die einfachste Art durchzukommen.

Grad, spitz und krumm: Das Zusammenstehen von Mann und Frau hat ihr Zusammenliegen zur Voraussetzung.

Am eignen Klang berauscht: Die wahrscheinlich genialste Erfindung des Menschen: Gott.

Erfindungen (2): Die wahrscheinlich genialste Erfindung des Menschen: Konstruktivismus. Weil er die Erfindung ist, die alle Erfindungen erfindet, einschliesslich seiner selbst.

Our time: Standing on the shoulders of dwarfs.

Dort: Das unangenehme wird dort kunstlos dem Nutzlosen verbunden.

Irrtum: Jeder Irrtum enthält etwas Richtiges. Manchmal überwiegt es. /ODER/ Beweist nicht, daß sich aus Irrtümern lernen lassen soll, daß sie im Wesentlichen richtig sind?

Kunst(3): Künstler wird, wer eine Artikulationsschwäche kompensieren muß.

Schönheit&Zeit: Alles ästhetische Empfinden bezieht sich auf den Augenblick. Schön können nur das Sein oder das Nicht-Sein sein; nie das Werden, als Prozeß erlebt. Lediglich, wer das Werden überdenkt und dergestalt wieder zu einem Augenblick zusammen zieht, kann dessen Schönheit empfinden. Das ästhetische Empfinden ist eine Art, die Zeit anzuhalten.

Vorläufigkeit und Lebensentwurf: Wer stets im Konjunktiv leben will, wird dennoch einmal im Indikativ sterben. /ODER/ Auch wer nur im Konjunktiv leben will, wird im Indikativ sterben müssen.

Selbstwerdung: Nicht in dem, was wir durchsetzen, formt sich unser Selbst, sondern in den Kompromissen, die wir eingehen müssen. Wer nie einen Kompromiss eingeht, ist niemand. Wer immer nur Kompromisse eingeht, ist auch niemand.

Vorsicht: Nichts ist so verletzlich, wie die Ordnung.

Die Wissenschaft teilt mit: Der Tod ist eine Zivilisationskrankheit.

Saure Trauben: Konservativ wird man aus Enttäuschung. Wer einnmal bei einer Losbude eine Niete gezogen hat, bekommt Angst er könnte von tausend Lebensalternativen eine von den 999 wählen, die eine Verschlechterung bedeuten.

An die Rechten:  Benehmt euch künftig //
Mal vernünftig!

An die Linken: Es reicht nicht, ungerecht behandelt worden zu sein, um Recht zu haben.

Aphorismus (3): Sprich doch mal ’n Machtwort! Nee. Mach doch mal ’n Sprichwort!

Geburt der Tragödie: Die Tragik der Geschichte ist, das meiste in ihr ist schon vorbei.

Bewältigungen (1): Die Aufgabe des modernen Menschen (Bürgers, Citoyen, Konsumenten) ist die Aufgabe seiner selbst.

The ugly duckling: Wer überhaupt etwas wissen will, darf nicht alles wissen wollen.

Aphorismus (4): Aphorismen sind diejenigen Rätsel, deren Lösung das Leben ist.

Das Absolute (1): Eine Sache zur Perfektion bringen, heisst, sie verderben.

Persönlichnehmen: Was wir ernst nehmen, wo wir uns fest beissen, das macht uns schlechter in der Art und besser in der Sache. Blut ist ein ganz besondres Bier: Meins.

Schmerzliche Erfahrung: Wissen ist Ohnmacht.

Frauen & Männer: Liebe will das Zueinanderfügen zweier Menschen. Frauenliebe ist Kraftschluss, Männerliebe ist Formschluss. Frauenliebe klebt, Männerliebe klammert.

Aphorismus (5): Nur wer reich an Geist ist, kann tief denken; aber was er da findet ist nie geistreich.

Untiefen: Täuscht Euch nicht: Ein Lob ist zehnmal schwieriger zu verkraften, als ein Tadel!

Einzige Wissenslücke: Ich weiß nicht, was ich nicht weiß. (Sokrates ver. 1.1)

Aphorismus (6): Witz heisst, auf die allerfeinsinnigste Art grob sein.

Freier Wille (2): Das Leben ist nichts als besinnungslose Erfüllung von inneren und äusseren Pflichten. Die inneren Pflichten sind die wahren Tyrannen; deshalb nennt man sie den freien Willen. Das Genie macht denn auch die einzig wahre Revolution: Es insurgiert gegen seinen freien Willen.

Irrtum und Wahrheit: Es gibt Irrtümer, die so tief und kenntnisreich sind,  daß man fürchten muß, daß keine Wahrheit es mit ihnen darin aufnehmen kann. (Religion,  Friedell) – Die Wahrheit, weil sie wahr ist,  kommt nach ihrer Dingbarmachung zum Stillstand, bzw. bedingt bestenfalls andere Wahrheiten. Der Irrtum aber,  weil er keinen zureichenden Grund findet,  wird immer tiefer gesponnen, bis er schließlich die ganze Welt enthält. Ich kann mich des Verdachts nicht entschlagen, dass wir so viel von der Welt wissen, weil wir das Tier mit der Befähigung zu den tiefstgreifenden Irrtümern sind.

Irrtum und Wahrheit (2): Je tiefer man irrt, desto wahrer lebt man. /und umgekehrt / Je wahrer man lebt, desto tiefer irrt man.

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Welterklärungen

Arbeit, Staat und Freiheit. Kleine Systematik. (Zweiter Teil, Draft.)

F O R T S E T Z U N G: S T A A T,  F U N K T I O N A L I S M U S   &   T E L O S

(41) Zweiter Gesang, erste Strophe.

(41a) Gesang ist die natürliche Form, das dicht Gedrängte dem Redundanten zu verbinden. Redundanz ist nicht nur die Mutter des Lernens und der Langeweile; sie macht auch die Welt überhaupt erst erkennbar und die Gesellschaft durchführbar. Redundanz liegt jedem System zugrunde, auch dem der Sprache; andernfalls zerfiele sie in einzelne Wörter, die keine Möglichkeit wechselseitiger Bezugnahme hätten. Redundant im Sinne einer bloßen Entfaltung des oben Gesagten ist auch alles hiernach Folgende.

(42) Ebenfalls redundant ist die Staatenbildung. Der Staat wurde von der Natur schon mehrfach erprobt, bevor die Menschen ihn neu erfanden. Meta-Arbeit ist etwas, das uns in der Natur auf mehreren Stufen begegnet.

(42) Wenn nicht den ersten, so zumindest den bedeutsamsten Staatsversuch unternahm die Natur beim Übergang vom Einzeller zum Vielzeller.

(43) Dieser Übergang ist mehrmals erfolgt; es gab ihn bei den Pflanzen, bei den Tieren und bei den rätselhaften Wesen dazwischen. Auch die Bakterien vollzogen ihn. Allerdings scheint bei den Zellkernlosen die erste Form innerartlicher Vergesellschaftung nie über ein primitives Stadium, den häßlich so getauften „Biofilm“, hinaus geführt zu haben. Wir wollen die Einzelheiten dieses Übergangs, gleichwohl er die womöglich spannendsten Fragen der Lebenswissenschaften berührt, nicht untersuchen. Wir konzentrieren uns allein auf das erste Auftreten des Staates.

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Nachdenklichkeiten

Zahlen, 2011

Einer journalisierten Welt wird die Schmach eines lebensunfähigen Nachwuchses erspart sein (…) Nein, der Bankert aus Journalismus und Hysterie pflanzt sich nicht fort! 

(Karl Kraus, „Apokalypse“)

Der Worte sind genug gewechselt! Die Wechselstube, in der ihr Kurs täglichen Verfall erlitt, heißt öffentliche Meinung und ihre Notenpresse ist die Presse, die von der Not handelt. Das Gerücht, die Medien erfüllten einen Informationsauftrag, ist eine uralte, ranzige, von ihnen selbst verbreitete Lüge. Sie informierten nie und sie erfüllten nie einen Auftrag. Die Medien lieferten immer nur ein vereinheitlichtes Sozialisationsubstrat und darüber hinaus gar nichts.

Auf diesem Substrat gedeiht die öffentliche Meinung. Anhand ihrer Vokabeln setzen sich die Menschen zueinander ins Verhältnis. Ein gemeinsames Drittes, auf das sich ihre Begriffe beziehen könnten, existiert nicht. Deshalb ist die Mediensprache kein Code, der Informationen über die Welt vermittelt. Sie ist ein Auslöser von Reflexen. In der Regel sind es lustvolle Reflexe des gemeinschaftlichen Urteilens, des wechselseitigen Einvernehmens und des kollektiven Gruselns.

Auch das ist nicht mehr richtig. Selbst die Sache mit dem Sozialisationssubstrat ist durch. Die Bewegung war die Parabel von einem lokalen Substrat – Dorfklatsch & Hoftratsch – zum globalen Substrat – Abendnachrichten & Weltstars – zurück zum lokalen: Facebook & global village. Die Rückkehr zum selbstgemachten Gerücht nahm den Medien alles was sie nie besassen. Ihre heutige Funktion beschränkt sich auf das Ausstossen von Entsetzens-, Jammer- und Warnlauten um das Herdenverhalten zu synchronisieren. Die höchste, kunstreichste Wirkung, die sie erstrebt, ist das Entfachen einer allgemeinen Hysterie.

Der Worte sind genug gewechselt. Das Wort zählt keinen Pfifferling. Buchstaben sind Gegenstand von Schriftdesignern. R.I.P. – rest in press, Sprache! Was bleibt? Wie liesse sich, ohne das entehrte Wort über allen Anstand zu quälen, noch Kenntnis von der Welt vermitteln?

— Zahlen! Zahlen sind die Worte der Stunde, Zahlen sind die Vokabeln dieser Zeit! Vor Zahlen graut es Journalisten. Zahlen eignen sich nicht zum Sozialisationssubstrat. Über sie geht nicht, Meinungen zu haben. Zahlen sind widerständig, subversiv, einfältig, groß, störrisch, klein. Zahlen ergründen keine Substanz, vermitteln keine Struktur, haben keine Schönheit und keinen Klang. Dennoch ist ihrer Schmucklosigkeit alles eingeformt; alles, wie die Welt den Monaden Leibnizens.

Zahlen haben die dunkle Zeit der Kirche beendet. Deren verwaiste Cathedra erklommen dann die Medien. Das Dunkelmännertum wurde durch die Druckerschwärze ersetzt. Zahlen jedoch werden auch die Presse entthronen. Was danach kommt, läßt sich nicht sagen. Zahlen sind Sprachlosigkeit. Sie stehen an der Sprache Ende und sie stehen an ihrem Anfang.

Ich mache einen Anfang, ich bringe Zahlen. Sehr wenige, sehr unkommentierte Zahlen aus dem Jahre 2011 n. Chr.

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Mit fremden Federn, Nachdenklichkeiten

Ein Video zum Thema „Staatabschaffen aufgrund von Befindlichkeiten“

Ich rüste auf, ich werde modern. Damit mir der Zeitgeist nicht völlig einschnappt, weil ich ihn zugunsten des Weltgeistes vernachlässige, habe ich ein Video gemacht und bei DeineRöhre hochgeladen. Exakt am ersten Mai. Wenn das keine Punktlandung ist!

PS: Obwohl es ganz sicher zu den sieben Todsünden zählt, einen Witz zu erklären, hat das Video so viel Befremden hervor gerufen, daß ich mich genötigt finde, zu sündigen. (So ergibt man sich stets ins Laster: Unter Klagen & Protest!) Nun ist es ein alter Streit, ob Rockmusik oder Schlager, wie etwa Pankows olle Gabi-Kamelle überhaupt einen Grund für Ironie und Feinsinn abgeben könnten.

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Welterklärungen

Arbeit, Staat und Freiheit. Kleine Systematik. (Erster Teil, Draft.)

Ausführung einiger Trivialitäten zur Vermittlung ihrer allgemeinen Geläufigkeit

Der Staat ist menschgemacht. Freiheit, aus Sicht des Einzelnen, ist die Illusion, selbst entscheiden zu können. Freiheit, aus Sicht des Staates, ist Berechenbarkeit.

Ina Eff@Freiherr v. Reiflingen

Der Staat ist der Religion verwandt, weil er etwas ist, dass zugleich unabhängig vom Subjekt besteht, als auch nur darin besteht, dass es ihn denkt. Er ist die zugleich objektive und subjektive Grenze der Freiheit, mithin das, was sie bestimmt. Freiheit ist somit nicht einerseits objektiv, andererseits subjektiv bestimmbar. Sie ist überhaupt nicht bestimmbar, ansonsten sie keine wäre. Als nicht bestimmbare ist sie negativ bestimmt als das Jenseits der Objektivität des Subjekts… Sie denken vom Staat wie der Katholik von Gott.

Freiherr von Reiflingen @ Ina Eff

Vorrede: Schöner Scheitern

(1) Nach dem Staat allein läßt sich nicht  fragen. Zu mannigfach sind die  Zusammenhänge, in denen er steht.

(2) Jede Bestimmung ist der Versuch, aus dem Vieldeutigen ein Eindeutiges zu machen. Wer überhaupt etwas wissen will, darf nicht alles wissen wollen.

(3) Jede Bestimmung, offensichtlich, muß daran scheitern, daß das Vielfältige zum Einfältigen wird. Sie scheiterte selbst in dem Fall  der Bestimmer die großartige Geschicklichkeit besäße, das Vieldeutige seines Gegenstandes einzufalten, wie eine Blüte in die Knospe, der sie entsproß. Denn die Knospe ist die Blüte nicht, und ein Gegenstand noch weniger die Konstruktionsvorschrift, nach der man ihn herstellen kann.

(4) Der Bestimmer scheitert, weil er von allen Zusammenhängen, in denen der reale Gegenstand steht, nur die ansieht, die ihm wesentlich erscheinen. Indes, es gibt nichts Wesentliches. Es ist lediglich die seltsame Eigenart der Tätigkeit, die wir «Denken»  nennen, auf etwas Bestimmtes gerichtet zu sein. Dadurch ist das zu Bestimmende auch schon bestimmt. Es gibt, mit anderen Worten,  Zwecke und Methoden anstatt des Wesentlichen. Der Unterschied zwischen Wesen und Erscheinung ist nur die Verschiedenheit, mit der ein Gegenstand in unterschiedlichen Zwecken und/oder Methoden aufscheint. Wie wir die Welt anschauen, so blinzelt sie zurück.

(5) Das Scheitern bestimmt jede Bestimmung. Alle Bestimmungen scheitern anders. Je größer das Scheitern, desto besser die Bestimmung. Die Vielheit des Scheiterns macht die Einheit des Gegenstandes. Es ist ja nicht ohne Weiteres einsehbar, dass eine Sache, die in unterschiedlichen Zwecken und/oder Methoden verschieden aufscheint, immer noch die selbe Sache sein soll. Erst die Vielheit des Scheiterns umreisst den Gegenstand. Dessen in jeder einzelnen Bestimmung verloren gegangene Mannigfaltigkeit wird von der Gesamtheit allen Scheiterns in eine Vielbestimmtheit rückverwandelt. Diese Vielbestimmtheit ist nicht die Vielheit des Gegenstandes selbst. Sie ist das beste, das wir haben.

(5a) Soviel der Vorrede. Ich setze den Staat in den Zusammenhang von Arbeit und Gesellschaft. Freiheit wird als abgeleiteter Begriff erscheinen. Von allen behandelten Begriffen ist die Freiheit der kleinste. Natürlich werde ich scheitern.

Erster Teil

E i n e  e m p i r i s c h e  T h e o r i e  d e r  A R B E I T

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Nachdenklichkeiten

The Konjunkturpaket wreaks havoc

Erinnerungen an einen heissen Herbst

Rien ne va plus, nix geht mehr. Man tritt vor die Haustür und Endegelände, weiter kommt der Hausaustreter nicht: Flammen schiessen auf, markerschütterndes Getöse umbraust ihn, Nasenhöhlen verbrennen, Lungenflügel platzen. Hirn und Augäpfel entweichen dem Schädel.

Dies sei gar nicht das Purgatorium? Eine Baugrube lediglich, eine Wegverbesserungsmaßnahme?

Lediglich?! Richig ist: Eine Baugrube ist eine Baugrube ist eine, Betonung auf “eine”. Viele Baugruben aber machen einen Höllenschlund. Und sehr sehr viele Baugruben sind die Apokalypse. Die Welt, wie wir sie kannten, wird dieser Tage gewendet. Metertief. Es ist die umgreifendste Revolution, die je in Deutschland unterstes zuoberst kehrte.

(Und wie immer in diesem Lande merkt es keiner. Alle deutschen Revolutionen kommen von oben. Die von unten kommenden krepieren mit Sicherheit in jenen Rohren, die bei der letzten Revolution behördlich genehmigt & verlegt wurden.)

Giftig nachtleuchtende Wälder aus Warn- und Umleitungsschildern entwuchern der gewendeten Scholle, vielspurige Magistralen liegen grausam verwüstet und werden vielleicht nie wieder befahrbar. Noch der kleinste Stieg wird gewaltsam aufgebrochen. Die Straßen in der DDR selig, deren Zustand ihre Bewohner einst zu grimmigen Empörern machte, waren wegsamer. Von Hitlers Autobahnen ganz zu schweigen. Wie heißt die verderbensvolle Geißel, die uns heimsucht?

Wodurch die plötzliche Vervielfältigung des Abgründigen, woher die Schächtung dieses Landes? Hier ist die Antwort. Das Land wird vom Konjunkturpaket der Bundesregierung auf-, ein- und endlich niedergerissen. Jenes Geld, das die letzte Krise abmildern helfen sollte. Es muß, so will es seine Bestimmung, bis zum Ende des Jahres ausgegeben sein. Also regnen nun 36,8 Milliarden harte Euro hernieder, und wo sie einschlagen, entsteht ein Baukrater. 36,8 Milliarden Euro schweres Baugerät, Asphaltfräsen, Planierraupen, Richtbohrer betreiben, so der Fachausdruck, kontrollierten Rückbau. Konjunktur beginnt mit Rückbau. “Crescendo”, pflegte unser anthroposophischer Orchesterdirigent Herr Blechert zu sagen, “Crescendo heißt: leise anfangen!”. Ich fürchte der Anfang des Konjunkturprogramms wird lauter gewesen sein, als sein Ende.

Ein starkbärtiger, mittelguter Witz aus der Friedenszeit ging so: “In der Sowjetunion haben sie jetzt eine Maschine gebaut, die säht das Korn, mäht es ab, drischt es, backt Brot daraus und verspeist es am Ende sogar selbst.” – Jede Gesellschaft, und nicht nur die sozialistische, ist eine solche Maschine.

Die Pointe leuchtet so sehr ein, daß man ihr arglos auf den Leim geht. Natürlich stimmt sie spätestens seit dem Prager Fenstersturz nicht mehr.

Sie erinnern sich? Mit dem begann der dreißigjährige Krieg. Während jener grimmelshausenen „Hirn-und-Augen-lagen-auch-allda-Zeit“ entstand das Bewußtsein, daß der Krieg möglicherweise der eigentliche Dauerzustand sei, der Frieden aber die krankhafte Ausnahme. Deutlich geworden in dem berühmten Wallensteinschen Ausspruch vom Kriege, der sich selbst ernährt. Nicht der Friedensmann ist der sich fortzeugende, sondern der Kriegsmann. Weil einmal nichts wachsen kann, wo schon etwas gewachsen ist, sei es Sinn und Einrichtung der Welt, das Gewachsene wieder zu unterpflügen. Das Pfluggerät ändert sich. Nicht ändert sich, daß mit ihm genichtet werden muß, um den Kreislauf des Ewiggleichen in Bewegung zu halten. (Schon Pigor sang diesbezüglich: „Ich heideggere Euch zu Boden!“)

Ich will klar sein. Früher bedurfte es eines handfesten Krieges, einst mit Roßschinder, Schleuder und Armbrust, jüngsthin verbessert zu Luftbombardement und Feuerwalze, um die Infrastruktur eines Landes derart flächendeckend und vollständig zu verwüsten. Aber Kriege sind passè, zumindest vor der Haustür. “Schwerter zu Pflugscharen” heißt das Gebot des Siècles; man pflügt, will das heißen, nunmehr wieder mit krummer Klinge und unterirdisch.

Die moderne Pflügerbombe heisst Konjunkturpaket. Der Übergang ist von der “dumb bomb” zur “smart missile”. Im Gegensatz zur Bombe hat die Rakete ihren eigenen Antrieb; der Krieg unterhält sich auf das Beste.

Die Krise ernährt die Krise. Das ist die Humanisierung der Barbarei, zu der wir seit dem Prager Fenstersturz gelangt sind. Die fieberhafte Tätigkeit, die sich stets entfaltet, um der Krise zu entkommen, heißt Konjunktur. Man weiß nicht, welches Schauspiel den Namen Krise eher verdient: Jenes panische Wirken, das uns heraus reissen soll, oder jenes, das uns hinein reitet. Es ist die selbe Sache. Der Satthals von vorn und der Satthals von hinten. Kraus hätte gesagt, Krise, das ist der Betrieb, der sich für ihren Ausweg hält.

Im Westen haben sie jetzt eine Maschine gebaut, die düngt, indem sie die Felder zu Asche verbrennt, der Asche die prachtvollste Frucht entwachsen läßt, um daraus Biodiesel zu machen, mit dem die Maschine angetrieben wird, die die Felder wieder nieder brennt…

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Bekenntnisse

Joachim Gauck, Nachpredigt.

Puh! Der Spuk ist vorbei und Gauck verschwindet wieder in der Berliner Puppenkiste. Klappe zu, Affe tot.

Ein säuerlicher Nachgeschmack bleibt. Als hätte man sich erbrochen.

Man weiss es nicht. Hat man? Sobald man sich zu einer Sache äussert, die schon in aller Munde ist, geht nicht mehr auszumachen, wer dann den schlechten Geschmack hat.

Nein, die Sache schmeckt mir ganz & gar nicht, auch wenn sie gewonnen ist. Schön, Gauck wurde irgendwie abserviert. So weit, so gut. Aber in Ansicht der großen Misère, die sich an der Sache sichtbar macht, ist mir das schon ganz Wurscht. Schlimme schlechter-Atem-Wurscht.

Dies ist die große Misère:

Die Berliner Puppenkiste ist schlecht gemacht. Alles an ihr. Das Stück, die Bühne, die Puppen, die Requisite, das ganze Drumherum. Das teuerste noch ist billig.

Das allein wäre nicht bedenklich. Wirklich mies ist, dass die Leute hingehen, obwohl nebenan die besten Bühnen auf sie warten. „Warten“ ist übrigens ein Euphemismus.

Das Gute, Schöne, Wahre muss sich feilbieten, als wäre es über dem Verfallsdatum. Wir leben in einer Zeit, deren Bewohner von zwei Dingen das häßlichere vorziehen, von zwei Taten die schlechtere und von zwei Sätzen die Lüge.

Es ist abersinnig bis zur Verrücktheit. Natürlich ist des Gutenschönenwahren erste Eigenart, gar kein Verfallsdatum zu besitzen. Oder doch in Zeiträumen zu vergehen, die unsere Lebenszeit übersteigen. Die Leute ziehen das Verfallbare vor. Was schlecht ist, genügt nicht. Es muß auch möglichst schnell noch schlechter werden. Das Verderbte muss verderben bis es stinkt. Das findet Beifall, Zuspruch, Aufmerksamkeit.

Wieso sich mir diese Verrücktheit ausgerechnet an dem eifernden Pfaffen Gauck eröffnet? Sehen Sie, ich führe hier seit gut zwei Jahren recht wenig betriebsam, man kann sagen: saumselig, mein geheimes Sudelbuch. Was ich hierein setze, beschäftigt sich mit Gegenständen, die unabhängig von Tageszeit und Wetterlage humorig oder bedenkenswert oder schön oder unterhaltsam sind. Ihr Verfallsdatum war ich stets bemüht, nach Jahren festzulegen, nicht nach Tagen.

Sie sind, wenn man will, Kunst oder Philosophie und manchmal eine Mischung aus beidem. Ich behaupte für diese Dinge keinen grossen Rang, aber ich behaupte ihre Gutgemachtheit. Man kann, wenn man über ein Aufnahmeorgan für derlei verfügt, Freude daran finden. Die Besucherzahlen in meinem Sudelbuch sagen mir: Allzu viele scheinen es nicht zu sein, die über dieses Aufnahmeorgan verfügen. Gut. Ist der erbauliche Ort eben wenig begangen.

Nun habe ich eine Ausnahme gemacht. Aus Versehen. Der eifernde Pfaffe ging mir auf die Nerven. Über diese Entnervtheit habe ich mich zu dem Fehler verleiten lassen, mich hier, im Sudelbuch, mit Tagespolitischem zu bemüssigen. Mit Dingen, deren Verfallsdatum übermorgen, spätestens nächste Woche ist.

Und plötzlich passiert etwas.

Plötzlich passiert, dass sich Horden in mein Sudelbuch klicken; der Traffic auf dieser Webseite steigt um Grössenordnungen. Kein Witz. Plötzlich herrscht Gedränge und Tumult. Es wird durcheinander genölt, geschwitzt, gestikuliert. Kein wenig begangener Ort mehr.

Aha, denke ich, so geht das. Man kann einen Staubsauger besser verkaufen, wenn man ihm Brüste anklebt. Ein Sudelbuch bekommt regen Leseandrang, wenn man ihm etwas Anstössiges auf den Buchdeckel klebt. Etwas Obszönes. Gauck.

Es trifft nicht zu. Einen barbusigen Staubsauger würde man am Ende dennoch zum Staubsaugen nehmen. Ein Buch mit einem Schundtitel würde man am Ende doch zum Lesen hernehmen. Indes, es hat sich nicht ereignet, dass die durch mein Sudelbuch sich wälzenden Hundertschaften irgendetwas anderes zur Hand genommen hätten, als den obszönen Buchdeckel. Keine zehn Prozent hat den erbaulichen Seiten dahinter auch nur einen Blick gegönnt.

Das Guteschönewahre, es steht neben dem Hochgejazzten wie das Aschenbrödel neben ihren aufgedonnerten Stiefschwestern. Mit dem Unterschied, dass Wirklichkeit ist: Der Prinz nimmt die mit den abgehackten Zehen und lebt glücklich bis an sein Lebensende.

Was ist an einem Artikel über Gauck interessanter, als an einem über den idealen Staat oder über Gottesbeweise? Die spinnen, die Bundis! (Zonis inbegriffen) Was haben die davon, dass sie an diesem Geschwurbel teilnehmen? Soweit ist es gekommen: Einst haben die Medien die Leute vor sich hergejagt. Heute jagen die Leute den Medien hinterher. Warum, in Dreigottesnamen?

Ich meine es todernst. Der Bundespräsident, wer immer es nun sei, wird nie irgendetwas sagen oder tun, das sich innerlich bedenken liesse. Selbst in der besten aller Welten würde er nie etwas erzeugen, das man tief bewundern oder seinen Kindern beibringen könnte. Er wird unserem Leben niemals irgendeine Art von Reichtum und Fülle schenken. Es ist nicht seines Amtes. Er ist, mit einem Wort, im Leben der Meisten eine Nebenfigur.

Im Leben derjenigen Meisten, die selbiges Leben daran wegwerfen, es heute mit dem Bundespräsidenten, morgen mit Guido Westerwelle und übermorgen mit einem anderen Schund zuzubringen. Wie geht das zusammen? Die Zeit, die wir auf etwas wenden, ist ein Maß für dessen Wichtigkeit. Wieso wenden wir die meiste Zeit auf Belangloses? Ist dies das tiefere Meinen von Demokratie? Soll das ganze Leben randvoll mit Betrieb angefüllt sein, damit man ganz vergisst, es auch zu bewältigen?

Ach, wäre es nur das Bewältigen! Es ist ja auch das Geniessen, das Amüsieren, das Lieben, das Hassen. Alles projiziert sich auf diese unwürdigen Gestalten und Gegenstände, deren Unwürdigkeit jeder umstandslos zugeben würde.

Es gibt nun eine Meinung, die sagt, das Platte wäre der Dünger des Hohen. Man könne sich nicht immer mit dem Gutenschönenwahren abgeben. Es strenge an. Es würde durch übermässigen Gebrauch gewöhnlich werden.

Das alles zugegeben. Es ist ja ein Strohmannargument. Ich behaupte nicht, man müsse. Und immer. Das Platte mag der Dünger des Hohen sein. Das Hohe, sage ich, hört auf, das Hohe zu sein, wenn niemand es für hoch ansieht. Wenn niemand es überhaupt nur ansieht.

Alle wollen düngen. Wozu denn, wenn niemand ernten will?

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Bekenntnisse

Joachim Gauck, dagegen!

Es gibt Meinungen, für deren hinterm Berg halten man sich niemals ohrfeigen müssen will. Voilà! Ich bin gegen Joachim Gauck. Dagegen, dass er Bundespräsident wird, dagegen dass er sich um dieses Amt bewirbt, dagegen, dass er sich überhaupt in der Öffentlichkeit herzeigt.

Ich vermeide in der Regel, mich um Tagespolitisches anders zu bekümmern, als kategorisierend. Gegen Gauck mache ich eine Ausnahme. Gauck ist die Fratze der bundesdeutschen Vernunft, wenn sie zum Fanatismus wird. Ich schneide ihm eine Fratze zurück.

Jede Überzeugung hat ihre Fanatiker. Jene, die es damit übertreiben, die das Maß verlieren und in ihrem Eifer von Zweifeln gänzlich unangefochten sind. Sie haben nicht einfach recht in dem was sie tun. Sie haben rechtestens. Testestens. Der Fanatiker ist die am meisten Recht habende Person der Welt.

Wir wissen, wie ein islamistischer Fanatiker auszusehen hat. Man findet sein Paßbild fast täglich in der Zeitung. Wir wissen, wie ein jüdischer Fanatiker aussieht, nämlich wie ein islamistischer Fanatiker mit Hut und Schläfenlocken. Wir haben eine ungefähre Überlieferung, wie die Nazi-Fanatiker ausgesehen haben, aber wir erinnern uns nicht allzu gern; sie haben was von Familie. Wir kennen christliche Fanatiker, Fanatiker der RAF und der 68er Anti-Spiesser-Guerilla, wir kennen die Fanatiker, die mit Stalins Namen auf den Lippen starben, und jene, die es in japanischen Kamikaze-Flugeugen taten. (Geeifert wurde immer. Nicht immer wurde gestorben. Manchmal liess man auch sterben. Wichtig war allein, dass man es mit gutem Gewissen tat.)

Wissen wir aber, wie ein Fanatiker bundesdeutscher Vernunft aussieht? Ein grundguter Vollstrecker des Grundgesetzes? Ein Eiferer des Rechtsstaates? Seit Köhler zurücktreten musste, weil ihm versehentlich die Wahrheit über den Afghanistankrieg rausgerutscht war, wissen wir es wieder. Ach, wir hätten es so gern vergessen!

Die nach ihm benannte Behörde war ja umbenannt worden; der Mann also im Begriff, sich aus dem Gedächtnis zu scheren, wohin er gehört, in den Orcus. Nun ist er wieder da und mit ihm die alten Fragen: Wie muss einer beschaffen sein, um diese Behörde zu repräsentieren und ihr seinen Namen zu leihen? (Überhaupt: Welche Ausschüsse tragen den Namen ihrer Repräsentanten?) Wie kommt einer dazu, sich um diesen Posten zu reissen? Was ist das für eine Sorte Mensch?

Die Antwort liegt auf der Hand und steht ihm ins rechteckige Gesicht geschrieben: Man muss von der protestantischen Unbeirrbarkeit besessen sein, unter allen Umständen Gutes zu tun, koste es, was es wolle. Selbst Fernsehruhm und die Anfeindungen der Bösen und Ewiggestrigen muss man klaglos in Kauf nehmen können. Nur, wer Lichtgestalt sein will, nein, Lichtgestalt ist, kann als Vergelter gehen. Der Erzengel Gabriel ist das Urbild aller Fanatiker.

Durchaus: Vergeltung. Es war klar, ist klar, wird klar bleiben, dass die Gauck-Behörde nie der Herstellung von Gerechtigkeit diente. Ein Dialog zwischen Tätern und Opfern wäre vielleicht möglich gewesen, hätte man Instrumente, wie die Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika geschaffen. Es hat einen Grund, weswegen die TRC, mit deren Hilfe die Verbrechen des Apartheidsregimes ruchbar gemacht werden sollten, ihr Vorbild nicht in der Gauck-Behörde suchte.

Die Gauck-Behörde war ein Vergeltungsinstrument der Sieger und ein Unterdrückungsinstrument gegen die Verlierer. Ihr Wirken war nicht konstruktiv auf die Zukunft, sondern destruktiv auf die Vergangenheit gerichtet. Sie machte aus altem Unrecht neues. Man musste durchdrungen sein, von dem, was heute Rechtsstaatlichkeit heisst, wollte man ihr überzeugt vorstehen. Man muss die Gabriel-Mentalität des gerechten Vergelters haben, um weder aus Hass, wie es das Fräulein Lengsfeld getan hätte, noch aus Macht- und Karrieregeilheit, wie sie das Fräulein Merkel umtreibt, diesen Posten auszufüllen. Man muss ein Pflichterfüller, ein Fanatiker der Bundesrepublik sein.

Komisch, dass gerade der ostdeutsche Pfaffe Gauck so ein Fanatiker ist. Wie konnte er sich die bundesdeutschen Überzeugungen so schnell zu eigen machen? Die Antwort ist, die Sorte ist so. Man muss sie nur an den richtigen Platz stecken. Eigentlich nichteinmal das. Man muss ihnen den richtigen Platz nur in Aussicht stellen. Das genügt. Dann ist nichts vor ihrem heiligen Eifer sicher. Nichtmal sie selbst. Die Aufgabe des Fanatikers ist ja die Aufgabe seiner selbst. Er ist ganz Überzeugung. Das ist keine Deformatión professional. Nicht der Posten sucht und formt sich den Mann. Der fertige Mann sucht den Posten. Leider wurde die Behörde und mit ihr der Gauck-Posten geschaffen. Man kann getrost behaupten, eine Gesellschaftsordnung sei desto schlechter, je mehr Posten für solche Männer sie bereit stellt.

Folglich beängstigt, dass er nun zum Amt des Bundespräsidenten drängt. Sollte das auch ein Posten für Fanatiker und Gesinnungstäter sein? War nicht immer die Vorstellung beruhigend, das Amt des Bundespräsidenten sei nicht, ein Machtwort zu sprechen, sondern bestenfalls, ein Sprichwort zu machen? Gern schmunzelt man noch heute über Roman Herzogs Wort vom «Ruck», der durch Deutschland gehen müsse. Das war vor 13 Jahren und wirkt noch immer so anrührend naiv und unverbraucht, wie einst.

Ich fürchte, so harmlos wird es nicht bleiben. Nicht mit Gauck. Gauck wird das Amt des Bundespräsidenten brutalisieren. So wie Dieter Bohlen das Fernsehen für seine Zwecke brutalisiert. Bohlens Zwecke, das sind lediglich Geschäfte und Großmannssucht. Damit gäbe sich Gauck nicht zufrieden. Er würde aus dem betulichen Amt des Bundespräsidenten eine Kanzel des bundesdeutschen Mainstreams machen. Einen Panzer, einen Schützenturm des politisch Korrekten. Er hätte jeden Tag so unerträglich Recht bis seinen Zuhörern das Blut aus den Ohren stürzte. Er wüsste die Masse des linksliberalen Meinens hinter sich und schöpfte aus dieser Einbildung eine schreckliche Unbeirrbarkeit. Jeden Tag aufs Neue. Den Geist, den sie riefen, würden sie nicht wieder los. Und verfluchen werden sie den Tag, da sie dem schlafenden Eifer des Joachim Gauck ein neues Betätigungsfeld gaben.

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Sinnsprüche und Splitter

Sinnsprüche und Splitter (1)

Bislang habe ich Aphorismen und was ich dafür hielt in nicht-chronologischer Reihenfolge, getrennt vom Rest des Blogs unter „Sinnsprüche und Splitter“ publiziert. Das war, wie ich nun, nach kurzem Überdenken der Sache befinde, nicht klug: ich hätte sofort von Lichtenberg lernen, und in halbwegs richtiger zeitlicher Abfolge veröffentlichen sollen. Fortan gelobe ich temporale Richtigkeit (mit kleinen Schummeleien):

Aphorismus (1): Der Aphorismus ist das Atom der Dialektik.

Genie (1): Die Wirklichkeit ist eigentlich recht einfach. Man darf nur den fatalen Fehler nicht machen, zu glauben, sie sei so primitiv, wie das Bild, das wir von ihr haben.

Romantik (2):Das Elend des Affektes ist, daß alle ihn wollen und niemand sich zu ihm bekennt. Das Elend der Welt aber vergrössserte sich gewaltig, wenn es umgekehrt wäre.

Versmaßgaben: Der Vers zwingt zur Präzision. Seine Herrschaft adelt seine Knechte.

Anderswelt:Verschwörungstheorien und Sprachrelativismus entstehen aus der gemeinsamen Sehnsucht – Furcht? – dass alles auch „ganz anders“ sein könne.

Verständlichkeit (1): In der Regel wird man von seinen Feinden besser verstanden, als von seinen Freunden. Oder so: Eine Idee wird in der Regel von ihren Kritikern besser erfasst, als von ihren Apologeten.

Möglichkeit & Wirklichkeit: Das Leben ist wirklich ein riesengrosses Geschenk! So groß, dass man bis zum Grab mit auspacken beschäftigt ist.

So müsste es gehn: Kauft nicht beim Kapitalisten!

Häufigste Todesursache: Tod durch Alltag.

Kunst (2): Kunst ist, wenn mit möglichst speziellen Mitteln möglichst allgemeines bedeutet wird. Wissenschaft ist, wenn mit möglichst allgemeinen Mitteln möglichst spezielles bedeutet wird.

Buch und Film: Ein Buch trinkt man, in einen Film taucht man ein.

Holocaust: In Dt. sind die Täter, in New York die Opfer. Dort redete man unablässig, hier schwieg man unablässig. Nun ist Generationswechsel: Hier beginnt man zu reden, dort beginnt man, es satt zu haben. Das ist die Dynamik des historischen Gossip: Langsam verebbende Wellen.

Politik: Politik ist die Kunst des Schuldigenfindens.

Aphorismus (2): Ein Aphorismus kann alles sein, außer falsch.

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